Familienfoto ca 1952


Zu meinem Leidwesen bekam mein Bruder zeitweise erhöhte  Aufmerksamkeit. Wir waren Kinder von Eltern, die nicht in der Nachkriegszeit hungern mussten. Mein Bruder und ich bekamen zu den Festtagen Spielzeug geschenkt. Die vier Jahre, die ich älter war.machten sich schon an der Konsumfront bemerkbar. Mein Bruder bekam schon neueres Spielzeug  .Meine Eisenbahn rollte noch per Federantrieb. Dabei trieb ich meine Eltern zu leichter Verzweiflung.,weil ich alle Spielsachen auf ihre Innereien überprüfte. Davon blieb kein Spielzeug verschont. Das Zusammenbauen war dann schon etwas schwieriger. Mein Vater war ein einfacher und fleißiger Bauer der im Krieg gewesen war. Wir Kinder bekamen  kein Kriegsspielzeug zu Weihnachten. Auch Plastikpistolen und Plastikrevolver blieben tabu. Nie wieder Krieg!


An der Wirtschaftsfront auf dem Bauernhof hielt der Fortschritt Einzug. Noch zogen die drei Pferde den einscharigen Pflug. Die Pflügerei dauerte von Herbst  bis Weihnachten. Auch die Pferde mochten  die Plackerei vor dem Pflug nicht. Wenn die schweren Schleswiger Ackergäule zur Arbeit geführt wurden, dann waren Hans und Perter ganz langsam. Wenn es zurück an die Futterkrippe ging, dann waren die schweren Pferde nicht wieder zu erkennen. 
Im Jahr 1953 begann für mich der Ernst des Lebens, ich kam in die die Grundschule im Dorf Klein Meinsdorf. Die Dorfschule war einklassig. Alle Schüler waren in einem Raum. Der Lehrer verteilte Aufgaben und wandte sich dann einer Gruppe zu. Zum Schluss des Tages wurde noch von Schülern zusammen ein Lied gesungen. Dann ging es nach Hause. Unterrichtsmaterialien gab es kaum. Eine alte Westermannkarte mit den Grenzen von 1937  stand in der Ecke und ein alter Globus,. von dem das NS-Zeichen flüchtig abgekratzt worden war. Die neue Umgebung war für mich nicht ganz einfach . Ich war mir der Plattdeutschen Sprache aufgewachsen. In der Grundschule  wurde nur Hochdeutsch gesprochen. Das Schlewig-Holsteiner Platt galt als rückständig und primitiv.

Schulsport machten wir auf der Dorfstraße. Bei 50 Metern und bei hundert Metern war ein Strich auf dem Weg- Dann ging sie los , die Lauferei. Ich schaffte die Strecke in 10 Sekungen, für 50 Meter. Gymnastik -Klamotten gab es noch nicht, sie waren zum teuer. Nicht nur ich musste auf Hochdeutsch umlernen, Die vielen Flüchtlingkinder brachten ihre Mundart mit. .


Wir Grundschüler hatten eine Schiefertafel und einen Schwamm. Zu mehr reichte es finanziell bei den Flüchtlingen nicht. Mein Lehrer war im Krieg gewesen. Welchen Rang er hatte? Er war flott mit der Kreide und dem Rohrstock. Züchtigung war wohl noch nicht verboten (?) Meine Erinnerungen an meinen Volksschullehrer waren gut. Schon im zweiten Jahr meiner Beschulung  machten wir eine Ausflugstour nach Kiel. Ganze Viertel lagen noch in Schutt und Asche. Wir besuchten den alten botanischen Garten.  Im kleinen Tropenhaus sah zum ersten Mal in meinem Leben Reis und Hirse. Meinen Eltern blieben bei der gewohnten Ernährung. Nicht ganz. Aus dem Krämerladen brachte ich viele kleine Artikel mit zu meiner Mutter. Lindes Kaffeeersatz durfe ich schon trinken. Was ich einkaufte wurde in ein Kontobuch eingetragen, Das dauerte einige Minuten. Einmal im Monat ging mein Vater in den Gasthof mit Krämerladen und bezahlte die Einkaufsrechnung. Die Bauern kamen im Dorfkrug zusammen und besprachen die neuesten Nachrichten.

Mein Vater kaufe im gleichen Jahr ein Lloyd Auto, 13 PS leistete der Zweitaktmotor, 70 km/h schnell fuhr das Auto. Der Mtor lief mit einem Gemisch aus Benzin und Öl, Mischungsverhältnis 1 zu 25 .Der Ostzonen-Trabbi kam aus baulichen Anspruchslosigkeit dieser frühen Phase des  Individualvkehrs nicht heraus. . Das Auto, viele bestritten das der Lloyd ein Auto sei.Er kostete 3000 deutsche Mark. Die Autogarage war etwas klein geraten. Mein Vater bugsierte mit einem Kälberstrick von Hand das Gefährt  in die  enge Garage,.  Was noch? Mein Vater wählte die Farbe Taubenblau.

Wer den Tod nicht scheut fährt Lloyd!


In der in der Schule lief es gut.. Der Dorfschullehrer organisierte eine Busfahrt nach Hamburg. Mutter, Vater oder auch beide kamen mit es standen noch die gewaltigen, gesprengten U-Boot Bunker in der Elbe.. Das eigentliche Ziel war aber Hagenbek. Die dortigen Tiere hatte ich noch nie gesehen. Sie waren für mich so beeindruckent, dasss ich heute noch davon erählen kann..



Höhepunkt des Jahres war das Vogelschießen-Fest im Dorf.. Die Hauptschüler durften mit dem Luftgewehr auf eine Scheibe schießen- Der Sieger bekam ein Geschenk. Der Nachmittag begann mit einem prachtvollen Umzug in Dorf und mit der Dorfkapelle an der Spitze, Dann wurde im Gasthof gefeiert mit Coca Cola und Mohrenköpfen. . Der Lehrer machte freiwillig die Organisation. .


Am Ende des vierten Schuljahres, dass Schuljahr begann noch zu Ostern., kam der Dorfschullehrer zu meinen Eltern und überedete sie, mich auf die Mittelschule in Eutin zu schicken. Mit meinem  Bruder hatte ich nur mäßigen Kontakt. Als meine vier Jahre Grundschuke um waren, kam er in die Grundschule. Als er aufs Gymnasium kam,. da  hatte ich noch zwei Schuljahre auf der Mittelschule vor mir. Mein Vater bastelte aus alten Fahrrädern eine Marke Eigenbau für mich. Auf dem Fußweg fuhr ich mit dem Fahrrad in die Schule. Ein Auto kam auf der Kopfsteinstraße ins Schleudern  und überrollte mich beinahe. Mein Schutzengel leistet Schwerarbeit.Der Verkehrsunfall ging für mich  einigermaßen glimpflich aus. Mein rechtes Bein war gebrochen. Meine Nase war zentrümmert. Die Nase ist bei mir noch heute  etwa schief. Für meine Eltern gab es 300,-DM Schmerzensgeld, der Gipsverband war nur wenige Tage weiß.